Fragen zur Technik im Brunnenhaus

Installation im Brunnenbau
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cleko
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Fragen zur Technik im Brunnenhaus

#1

Beitrag von cleko »

Hallo liebes Forum,

vor mittlerweile 4 Jahren habe ich meinen Bohrbrunnen erstellt, der Anfang ist auch in der Brunnenbau-Story dokumentiert. Leider habe ich irgendwann den weiteren Fortschritt nicht mehr hier im Forum geteilt, Schande über mein Haupt! Auf jeden Fall ist mein Brunnen nach viel schweißtreibender Arbeit fertig gestellt und hat die letzten 4 Jahre mit einem einfachen Gardena-Hauswasserwerk problemlos genug Wasser geliefert.

Nun möchte ich gern das Hauswasserwerk gegen eine Tiefbrunnenpumpe tauschen, da der Brunnen direkt neben der Terrasse ist und es einfach stört, wenn man abends auf der Terrasse sitzt und neben einem immer die Pumpe brummt, weil die Bewässerung im Beet oder Gewächshaus läuft oder will jemand auf die Toilette geht.

Über dem Brunnen befindet sich ein Brunnenhäuschen von ca. 1x1x1m (Bilder reiche ich nach). Hier soll auch die ganze Technik untergebracht werden. Und genau dazu habe ich ein paar Fragen und hoffe, dass ich hier die Antworten darauf finden kann. Gelesen habe ich in den letzten Tagen sehr viel zu dem Thema und umso mehr ich gelesen habe, umso mehr Fragen kamen auf.

Folgenden Aufbau habe ich mir vorgestellt: Tiefbrunnenpumpe im 5“ Brunnenrohr -> nach dem Brunnenkopf ein Y-Rückschlagventil -> Druckschalter -> Filter -> Wasserleitung, die den Garten und das Häuschen versorgt.

Betrieben wird hauptsächlich ein 1/2“-Schlauch mit Gießbrause, ein Rasensprenger und Tröpfchenbewässerung im Gewächshaus, perspektivisch noch Tröpfchenbewässerung in den Beeten. Dazu noch die Toilettenspülung und das Waschbecken im Gartenhaus. Der Wasserverbrauch ist also sehr überschaubar. Macht es hier Sinn, einen Druckkessel einzubauen? In das Brunnenhäuschen würde ich einen 50L-Kessel rein bekommen, mehr gibt der Platz nicht her. Und welcher Druckschalter ist dann empfehlenswert? Meist habe ich gelesen, dass hier ein einfacher mechanischer am besten funktioniert, woanders habe ich aber auch gehört, dass auch eine Presscontrol o.ä. funktionieren soll.

Oder ist das zu viel des Guten und ich sollte den Druckkessel lieber weg lassen?

Über Anregungen und Tipps würde ich mich sehr freuen.

Viele Grüße, Clemens
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Eriberto
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Re: Fragen zur Technik im Brunnenhaus

#2

Beitrag von Eriberto »

Moin Clemens,

bei der 'unterstellten' geringen Wassermenge würde ich die Verwendung eines Frequenzumrichters für Brunnenpumpen in Betracht ziehen. Dieser benötigt zwar auch ein Druckgefäss, in der Regel reichen da aber schon 2 Liter.
Vorteil: der FU (Frequenzumrichter) lässt die Pumpe sanft anlaufen und moduliert die Leistung im gewissen Rahmen.

Ich verwende seit mehreren Jahren den IBO IVR-02M und bin sehr zufrieden damit. Falls dir diese Lösung zu kostenintensiv ist, wird in der 'Bucht' u.a. auch ein Modell von Rothenbach für aktuell um die € 149,- angeboten (EAN 5903887254083).
Der IBO funktioniert im Durchflussprinzip (1 1/4 Zoll AG oben und unten), der Rothenbach mit einem z.B. über Anbohrschelle anzubringenden Drucksensor.

Da die FUs lediglich in einem relativ engen Bereich die Leistung (Drehzahl) regeln können, soltest du vorab die maximal mögliche Durchflussmenge ermitteln und entsprechend die Tiefbrunnenpumpe wählen. Sprich, nicht das 'dickste', stärkste Modell, sondern eines das bei ca. 60-80% der Leistung die maximal mögliche Durchflussmenge liefert. Ggf. ist hier auch der gewünschte Druck für die Toilettenspeisung in die Betrachtung mit einzubeziehen.
Gruß
Florian
PeterB
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Re: Fragen zur Technik im Brunnenhaus

#3

Beitrag von PeterB »

cleko hat geschrieben: Fr 27. Mär 2026, 20:45 Meist habe ich gelesen, dass hier ein einfacher mechanischer am besten funktioniert, woanders habe ich aber auch gehört, dass auch eine Presscontrol o.ä. funktionieren soll.

Oder ist das zu viel des Guten und ich sollte den Druckkessel lieber weg lassen?
Hallo Clemens,

ich glaube, ein kleine Einführung zum Thema Pumpensteuerung könnte hier helfen.

Ein "mechanischer Druckschalter" braucht immer einen Druckkessel(MAG).
Ein "Presscontrol" funktioniert ohne MAG. Manchmal ist ein zusätzliches MAG hilfreich.

Der Druckschalter schaltet die Pumpe ein, wenn der Druck auf den Einschaltdruck abgesunken ist und stoppt sie, wenn er auf den Ausschaltdruck gestiegen ist.

Ohne MAG würde die Pumpe permanent in extrem kurzen Abständen an- und ausgehen.

Mit dem MAG wird die Pumpe bei viel Wasserabnahme wie beim Rasensprenger am Stück durchlaufen. Bei wenig Abnahme wie Gießbrause oder Tröpfchenbewässerung wird sie zwischendurch abschalten.

In dieser Zeit liefert das MAG solange Wasser, bis der Druck auf den Einschaltdruck abgesunken ist. Dann startet wieder die Pumpe. Das merkst Du dann an der Gießbrause, wenn der Druck schwankt.

Wenn Dein bisheriges Wasserwerk einen kleinen Kessel hat auf dem die Pumpe steht, ist das so eine Steuerung.

Ein Presscontrol funktioniert anders. Er braucht kein MAG. Er schaltet genauso beim Einschaltdruck ein. Abschalten aber funktioniert anders. Wenn der Verbraucher geschlossen wird und die Fließgeschwindigkeit gegen Null geht, registriert er das und schaltet die Pumpe ab.

Hat dein Wasserwerk keinen Kessel und schaltet automatisch ein und aus, ist so eine Technik in der Pumpe verbaut. Das Hauswasserwerk hat dann oft einen Zusatz wie "Automatik".

Im Betrieb wird der Druck immer gleichmäßig bleiben, egal ob Regner oder Brause, solange die Abnahme über der "Abschaltmenge" liegt. Die liegt bei den handelsüblichen Durchflusswächtern (Presscontrol ist der Produktname eines Herstellers für seinen Durchflusswächter) bei ca 1-3 Liter/std.

Ein weiterer Vorteil dieser Technik ist, dass bei dieser Abschaltmethode die Pumpe auch abgeschaltet wird, wenn nicht genug Wasser da ist. Das wird in den Prospekten gerne als "zusätzlicher Trockenlaufschutz" angepriesen.

Ein Durchflusswächter ist bei einer Anwendung wie bei Dir heute allgemein üblich.

Mit einer Tröpfchenbewässerung hat ein Durchflusswächter aber seine Tücken. Bleibt die Fließgeschwindigkeit unter der Abschaltgeschwindigkeit, stoppt die Pumpe. Der Druck sinkt, sie startet, usw. Das gleiche passiert, wenn auf der Druckseite eine kleine Undichtigkeit sein sollte. Da genügt schon ein ab und zu tröpfelnder Wasserhahn um die Pumpe kurz laufen zu lassen.

Bekommt man die Undichtigkeit nicht in den Griff oder betreibt man eine Tröpfchenbewässerung mit geringer Abnahme, hilft dann ein zusätzliches kleines MAG von ca 20 Liter. Das ergibt ein Nutzvolumen von ca 5-10 Liter, bevor die Steuerung die Pumpe zB bei einer Tröpfchenbewässerung kurz laufen lässt. Bei den anderen Verbrauchern wird sie dann wieder durchlaufen.

Grüße
Peter
cleko
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Re: Fragen zur Technik im Brunnenhaus

#4

Beitrag von cleko »

Hallo ihr zwei, vielen Dank für die Antworten!

@Eriberto: über einen Frequenzumrichter für die Pumpe habe ich noch gar nicht nachgedacht. Danke für die Idee, da muss ich mich nochmal tiefergehend mit beschäftigen. Ca. 150 Euro für das günstigere Modell klingt ja noch vertretbar, ich denke, das IBO-Modell ist preislich eher raus. Da der Brunnen ja "nur" der Gartenbewässerung dient, sollte der Kosten-Nutzen-Rahmen nicht zu sehr überschritten werden.

@PeterB: Vielen Dank für die Erläuterungen. Grundsätzlich hatte ich vorher schon verstanden, wo die Unterschiede zwischen mechanischem Druckschalter und "Presscontrol" liegen. Bisher hatte ich ein Gardena-Hauswasserwerk ohne Kessel im Einsatz, also mit eingebautem Durchflusswächter. Die Gardena-Pumpe wurde damit beworben, dass sie auch sehr geringe Wassermengen, z.B. bei einer Tropfbewässerung, schalten kann und das hat auch zuverlässig funktioniert. Gern würde ich auch aus Kostengründen die gesamte Pumpeninstallation so einfach wie möglich halten und hätte kein Problem damit, einen Durchflusswächter zu verwenden und auf einen (großen) Druckkessel zu verzichten. Allerdings haben die meisten Durchflusswächter, die ich bisher im Netz gefunden habe, eine Mindestdurchflussmenge von 30 bis 60 Litern pro Stunde angegeben. Das könnte, wenn nur die Tropfbewässerung im Gewächshaus läuft, tatsächlich etwas knapp werden. Oder ich muss schauen, dass ich den Bewässerungskreis vergrößere.

Du hast geschrieben, dass ein kleines zusätzliches MAG hier Abhilfe schaffen könnte, also kann ich einfach mittels T-Stück nach dem Filter, bevor die Leitung zur Gartenversorgung beginnt, ein z.B. 24-Liter-MAG einbauen und bin hiermit auf der sicheren Seite? Das wäre ja die beste Variante.

Viele Grüße,
Clemens
PeterB
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Re: Fragen zur Technik im Brunnenhaus

#5

Beitrag von PeterB »

cleko hat geschrieben: So 29. Mär 2026, 15:07 Allerdings haben die meisten Durchflusswächter, die ich bisher im Netz gefunden habe, eine Mindestdurchflussmenge von 30 bis 60 Litern pro Stunde angegeben.

Du hast geschrieben, dass ein kleines zusätzliches MAG hier Abhilfe schaffen könnte, also kann ich einfach mittels T-Stück nach dem Filter, bevor die Leitung zur Gartenversorgung beginnt, ein z.B. 24-Liter-MAG einbauen und bin hiermit auf der sicheren Seite? Das wäre ja die beste Variante.
Genau so. Vom MAG kannst Du ca 30-50% vom Nennvolumen als "Vorrat" annehmen. Bei 24 Liter würden ca 8-12 Liter über den Vordruck geliefert. Sobald der Druck auf den Einschaltdruck gesunken ist, startet die Pumpe kurz und "füllt auf",

Wenn die Pumpe 5bar liefert und Du drehst den Wasserhahn auf, kommt erst Wasser mit 5bar bei dem der Druck schnell weniger wird bis der Einschaltdruck nach ca 10 Liter erreicht ist. Der liegt idR bei 1,5bar.

Dann startet die Pumpe und liefert mit Ihrem Arbeitsdruck.
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