Loewe WL 2000, Ventilkörper reparieren


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grux
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Loewe WL 2000, Ventilkörper reparieren

Beitragvon grux » Sa 17. Feb 2018, 13:55

Hallo Forum-mitglieder!
Ich bin von Beruf Maschinenschlosser und das ist mein erster Beitrag hier. Wenn ich was falsch mache dann bitte nicht prügeln ;)
Meine Mutter hat vor 15 Jahren ein Haus aus den 60-ern gekauft. Im Keller gibt es einen Brunnen mit einer Loewe Wasserknecht WL2000 + membranloser liegender Druckkessel, die wahrscheinlich auch in den 60-ern dort installiert wurden. Da sie von Technik nicht viel Ahnung hat und ich weiter weg wohne wurde an Wartung in den letzten 15 Jahren nicht viel gemacht außer hin und wieder mal die Stopfbuchse nachziehen. Vor Kurzem half auch das gegen das Tropfen nicht mehr. Also hab ich mir vorgenommen die Pumpe auszubauen, mit nach Hause zu nehmen und das alte Teil bis zum Frühling auf den neuesten Stand zu bringen. Mittlerweile hab ich sie komplett zerlegt und zu meiner Überraschung sah sie von innen gar nicht so schlecht aus trotz nie gewechseltem Öl, das auch nicht mehr nach Öl sondern eher nach Maschinen-Kühlwasser aussah. Die Dichtungen, Ventilgummis und sonstige nichtmetallische Teile müssten natürlich nach 50 Jahren gewechselt werden aber sonst sieht der Rest noch gut aus. Hab mir auch schon ein Dichtungssatz bestellt bis ich hier im Forum gelesen hab, dass der Ventilschaft höchstens 0,3mm Luft zu dem Ventilkörper haben sollte. Tja, leider haben meine Ventile 0,5 bis 0,7mm Spiel, dabei haben die Ventile selbst noch einen Durchmesser von etwa 9,95mm während die Bohrungen in Ventilkörper aus Messing etwa 10,5-10,6mm groß sind. Jetzt überleg ich mir ob ich noch mehr Geld in eine neue komplette Ventilplatte investieren soll (die Ventilkörper einzeln finde ich für mein Model nicht) oder die vorhandenen Ventilkörper selbst reparieren soll. Ich dachte da an die Gleitlagerbuchsen aus Kunststoff, z.B. diese HIER.
Wenn ich die 10mm Bohrung im Ventilkörper auf 12mm aufreibe und in diese Bohrung ein Gleitlager reinpresse sollte es doch klappen? Von der Wandstärke her sollte es noch reichen- es bleiben noch ca. 1,5mm "Fleisch" übrig am Ventilkörper.
Daher meine Frage: hat jemand von euch schon mal damit experimentiert? Wie lange würden die Gleitlager aus Kunststoff wohl halten, was meint ihr?

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Plunschmeister
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Re: Loewe WL 2000, Ventilkörper reparieren

Beitragvon Plunschmeister » Sa 17. Feb 2018, 18:42

Hallo und willkommen im Forum.
Die Ventilschäfte sind ja nicht einseitig eingelaufen. Ich würde die auch mit dem Spiel noch verbauen. Ein paar Jahre, werden die noch laufen. Du kannst dich ja einmal erkundigen, ob ein Umbau der Ventilplatte auf Ventilkörbe aus Kunststoff möglich ist, so dass man Ventilgummis in Membranausführung verbauen kann.
Also praktisch die kompletten Ventilkörper aus Messing rausdrücken und neue Ventilkörbe aus Kunststoff einpressen. Dann werden die Federn und Federteller nicht mehr gebraucht und auch die Ventile fallen weg.
Ob dass von den Bohrungen her passen würde, kann ich dir allerdings nicht sagen.
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Re: Loewe WL 2000, Ventilkörper reparieren

Beitragvon grux » Sa 17. Feb 2018, 22:32

Danke für die schnelle Antwort!
Den Umbau auf die neuen Ventilkörper aus Kunststoff hab ich auch in Betracht gezogen aber die neuen Ventilgummis sind schon unterwegs und das Budget ist auch knapp. Das Wiedereinbauen mit dem jetzigen Spiel will ich auch nicht unbedingt, wenn ich das Teil schon generalüberhole dann will ich die Ventile in den nächsten 15 Jahren nicht mehr sehen :!: Ich werde mein Glück wohl mit den Gleitlagern aus Kunststoff versuchen. Aus meiner beruflichen Erfahrung können sie einige Jahre der Reibung stand halten, allerdings reicht meine Erfahrung nur bei radialer Beanspruchung im Schmierfett, bei axialer Wellenbewegung im Wasser hört meine Erfahrung auf. Aber ich riskiere es trotzdem, im schlimmsten Fall baue ich in ein Paar Jahren eine komplett neue Ventilplatte mit neuen Kunststoffkörpern ein.
Ich hätte da aber noch eine Frage:
In der Stopfbuchse auf der Wasserseite sitzt ein Simmerring aus Gummi. Als ich ihn herauszog sah ich weiße Klebstoffreste (siehe Foto). In der alten Bedienungsanleitung steht, dass der Simmerring nur vom Fachmann gewechselt werden soll. Heißt das jetzt, dass ich den neuen auch reinkleben soll? und wenn ja, womit?

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Re: Loewe WL 2000, Ventilkörper reparieren

Beitragvon Plunschmeister » So 18. Feb 2018, 10:21

Moin,
...wenn ich das Teil schon generalüberhole dann will ich die Ventile in den nächsten 15 Jahren nicht mehr sehen

Wenn du den Dichtungssatz verbaust, dann ist das ja noch keine Generalüberhohlung. So ist beispielsweise der Nutring vom Sicherheitsventil nicht enthalten, welcher auch von einer Fachkraft gewechselt werden sollte. ;)
Aus meiner beruflichen Erfahrung können sie einige Jahre der Reibung stand halten, allerdings reicht meine Erfahrung nur bei radialer Beanspruchung im Schmierfett, bei axialer Wellenbewegung im Wasser hört meine Erfahrung auf.

Bei axialer oder auch radialer Wellenbewegung im Wasser werden halt Werkstoffe eingesetzt, welche gute Gleiteigenschaften und gegebenenfalls noch eine gute Selbstschmierung (GGL) besitzen. Wasser kühlt und schmiert noch zusätzlich. ;) In diesem Fall ist es CuSn (Bronze).
M.E. sollte die Toleranzgrenze nicht zu eng ausgelegt werden. Aufgrund der Minerale im Wasser, verockern oder versintern diese auch in den Führungen. Ich habe schon Ventile ausgebaut, diese waren wie fest geschweißt.

Bei hohen Drehzahlen ( Kreiselpumpen) haben wir die eigentliche Welle mit sog. Wellenschonern versehen, welche aus GGL oder halt aus Bronze bestanden. Diese waren dann durch eine Passfeder gesichert. Auf diesen Wellenschonern, lief dann die eigentliche Packungsschnur, so musste man nicht die komplette Welle wechseln.
Bei der KP sieht es anders aus, aber auch hier erfolgt die Schmierung und Kühlung durch Wasser. Die KP sollte stetig tropfen.

Bronze unterliegt aber auch wie Stahlguss, einer gewissen Alterung. Meine Bedenken sind, dass bei einem Ausbuchsen mit dünner Wandung, die Ventilkörper brechen.

In der Stopfbuchse auf der Wasserseite sitzt ein Simmerring aus Gummi. Als ich ihn herauszog sah ich weiße Klebstoffreste (siehe Foto). In der alten Bedienungsanleitung steht, dass der Simmerring nur vom Fachmann gewechselt werden soll. Heißt das jetzt, dass ich den neuen auch reinkleben soll? und wenn ja, womit?

Den Wedi habe ich noch nie eingeklebt.
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Re: Loewe WL 2000, Ventilkörper reparieren

Beitragvon grux » So 18. Feb 2018, 11:59

Den Nutring tausche ich auch aus. Wie geschrieben: alle nichtmetallischen Teile werden getauscht + Kolbenstange, Staubdeckel, alle Messingstopfen und alle Schrauben gegen A2 tauschen. Vorher alle Gehäuseteile außen sandgestrahlt, neu lackiert. Ich werde das Sicherheitsventil in die selbe Position wie vorher reindrehen und wieder in die selbe Bohrung verstiften. Dadurch wird die alte Federspannung erreicht und hoffentlich bei über 4 Bar ausgelöst ;). Wenn nicht dann habe ich wieder eine Freizeitbeschäftigung.
Danke für die Infos!
Werde die Fotos nachher von der fertigen KP reinstellen.
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Re: Loewe WL 2000, Ventilkörper reparieren

Beitragvon Plunschmeister » Mo 19. Feb 2018, 09:58

Moin,
die Arbeit mit den Gleitlagerbuchsen kannst du dir sparen!
Ich habe da nochmals Rücksprache mit Steffens gehalten - meine Meinung wurde bestätigt. Bei einer Toleranz von 0,5mm bis 0,7mm sind die Ventile noch zu verwenden. Es werden selbst Ventile mit noch 1mm Spiel verbaut, nur dürfen diese nicht im Durchmesser eingelaufen sein.
Die Ventile drehen sich ja nicht, die Bohrung dient nur als Führung - die Abdichtung erfolgt über die Gummiteller.
Die Wedis wurden früher tatsächlich eingeklebt, das wird aber heute nicht mehr gemacht. Ein genereller Umbau der Ventilplatte auf Kunststoffkörbe ist nicht möglich. Hier muss die komplette Ventilplatte getauscht werden.
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Re: Loewe WL 2000, Ventilkörper reparieren

Beitragvon grux » Sa 26. Mai 2018, 18:57

Hier ist das vollendete Werk. Alle Teile der Pumpe wurden glasperlengestrahlt und pulverbeschichtet. Druckkessel von Innen und aussen gereinigt und mit Zinkspray übergesprüht, die beiden Wellen der Motorkonsole wurden galvanisch verzinkt. Wie im früheren Beitrag geschrieben sind alle nichtmetallischen Teile sowie Schrauben, Muttern und sonstige Normteile neu:
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Die Stopfbuchse hab ich selbst gedreht aus Edelstahl, deswegen konnte ich den Sitz für WeDi als Presspassung ausführen. Leider tropft es nicht obwohl die Mutter nur mit 2 Drehungen drin ist, ich hoffe es kommt nach ein Paar Wochen:
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Gab es ab Werk eigentlich einen Keilriemenschutz?
Wollte erst einen nachbauen. Weil aber die Keilriemenscheibe zur Wand abgewandt ist hab ich es dann doch gelassen:
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Der E-Motor ist kein Original und trotz seiner 0,37 kW bleibt er bei 3 Bar Druck stehen. Musste daher den neuen Druckwächter auf 2,8 Bar Abschaltdruck einstellen. Woran kann das liegen?
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Hab die Gleitbuchsen doch in die Ventilkörper eingesetzt. Die sind aber nur 15mm lang von 18 möglichen mm. 3mm sind also noch aus Messing, hab das Messing nicht ganz durchgebohrt. Hab mich für iglidur® H entschieden- "Unter Wasser verwendbar" und relativ günstig:
https://www.igus.de/product/96
Die Pumpe läuft m.E. ruhiger.
Für meine erste Pumpe bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Weil dieser hier von meiner Mutter war überlege ich mir eine eigene für einen 50-er anzuschaffen, um sie auch auf Vordermann zu bringen.
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Re: Loewe WL 2000, Ventilkörper reparieren

Beitragvon Bohrbrunnen » Sa 26. Mai 2018, 19:57

Topp Ergebnis, Hut ab.
Gruß Manfred
Glück Auf!

Lieber Ratten im Keller als Verwandtschaft im Haus.

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Re: Loewe WL 2000, Ventilkörper reparieren

Beitragvon grux » Sa 26. Mai 2018, 21:28

Hier noch 2 Bilder vor der Montage:

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Re: Loewe WL 2000, Ventilkörper reparieren

Beitragvon Plunschmeister » Mo 28. Mai 2018, 18:01

Gute Arbeit, nun ist es eine OSNA :lol: :lol: :lol: .
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Gruß PM

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