Ösi-Brunnen

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TommyLee
Beiträge: 7
Registriert: Fr 8. Nov 2019, 18:35

Ösi-Brunnen

Beitrag von TommyLee » Sa 9. Nov 2019, 04:20

Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich bin neu hier im Forum und habe mich bereits im Willkommens & Vorstellrunden Verzeichnis kurz vorgestellt.

In diesem Beitrag möchte gerne mein Brunnebau-Projekt etwas detailierter vorstellen und über die Höhen und Tiefen der Bauphasen berichten.

Zuerst nochmals eine kurze Vorstellung meines Projektes:
Ich wohne in Niederösterreich, wir haben in unserer Siedlung keine Ortswasserleitung und sind somit auf einen Brunnen angewiesen. Grundwasser ist kein Problem – der Grundwasserspiegel liegt bei ca. 2,5 Meter und es gibt eine sehr starke Strömung. Bisher erfolgt die Wasserversorgung über einen Schlagbrunnen mit nur 1 m Filterlänge. Der reicht gerade aus um die Brauchwasserversorgung im Haus aufrecht zu erhalten, aber zum Garten gießen ist er zu Leistungsschwach – es muss also eine Alternative her.

Ein neuer Schlagbrunnen mit längerer Filterstrecke ist keine Option, da meines Erachtens Tiefbrunnenpumpen wesentlich effizienter arbeiten als ein klassisches Hauswasserwerk.
Einen Schachtbrunnen wollte ich aus hygienischen Gründen nicht haben. Schaut man in so manche alte Schachtbrunnen, vergeht einem der Durst auf ein Glas Wasser.
Also war die Entscheidung einen Bohrbrunnen zu erstellen, sehr schnell gefallen. Bei einem Messebesuch habe ich mich vorab einmal grob über die Kosten für eine Brunnenbohrung erkundigt, aber ich hatte das Gefühl das die Firma nicht ernsthaft an einem Auftrag interessiert war und der Preis ohnehin viel zu hoch war. Dank eurem Forum habe ich mich dazu ermutigen lassen, den Brunnen selbst zu bohren.

Und das sind die Kerndaten des Brunnen:
- Gewünschte Förderleistung : 5000 l/h
- Grundwasserspiegel : 2,5 m
- Brunnenbohrtiefe : 10 m
- Tiefe Brunnenschacht : 1 m
- Brunnenrohrdurchmesser : DN 125
- Brunnenrohrlänge :
o 1 m Sumpfrohr (mit Verschlusskappe)
o 1 m Filterrohr
o 1 m Vollrohr (für Tiefbrunnenpumpe)
o 3 m Filterrohr
o 3 m Vollrohr

Somit ergibt sich eine 7,5 m hohe Wassersäule im Brunnenrohr bzw. eine nutzbare Wassersäule von 4,5 m oberhalb der Pumpe (ca. 55 Liter).

Da ich ursprünglich das Brunnenrohr direkt plunschen wollte (ohne Arbeitsrohr) und mir die exakte Bodenbeschaffenheit nicht bekannt war, habe ich bei den Filterrohren die „Angst-Version“ mit 0,3 mm Schlitzweite gewählt.

Zum Bohren im Erdreich hatte ich einen 240er Erdbohrer.

Auf der Suche nach einer Kiespumpe, habe ich mich ebenfalls durch eure Beiträge inspirieren lassen und mich dazu entschlossen, eine eigene Pumpe zu bauen. Ich habe sie aber nach meinen Vorstellungen und Anforderungen gebaut und daher unterscheidet sie sich wesentlich von den „klassischen“ Kiespumpen hier im Forum. Wenn ich etwas Zeit habe, erstelle ich eine Bauanleitung und stelle sie gerne dem Forum zur Verfügung – vielleicht finden auch andere gefallen an dieser Version.

Nachdem ich nun das gesamte Material und Werkzeug beisammen hatte, wollte ich mit dem Bohren des Brunnens anfangen. Da ich aber leider zum Perfektionismus neige, hat mich gleich zu Beginn mein schlechtes Gewissen geplagt, weil ich kein Arbeitsrohr geplant hatte.
Also habe ich kurzfristig umdisponiert und mich doch dazu entschieden ein Arbeitsrohr zu verwenden. Als Arbeitsrohr dient jetzt ein 200 mm KG-Rohr (ich weiß, das ist verpönt und auch etwas riskant, aber es war das einzige was kurzfristig verfügbar war). Um das Versenken bzw. Ziehen des Rohres leichter zu machen, habe ich den Wulst mit der Gummidichtung abgeschnitten und die Rohre miteinander verschraubt. Somit ergibt sich nur noch eine geringfügig Querschnittsvergrößerung im Bereich der Stückelung und ich hoffe dass die das Versenken bzw. Ziehen des Rohres kaum noch zusätzlich erschwert.

Leider war der Durchmesser der Kiespumpe bereits auf das Brunnenrohr abgestimmt und ich wollte keine zweite Kiespumpe für das Arbeitsrohr bauen, also habe ich mit der viel zu kleinen Kiespumpe das 200er Rohr versenkt. Hat zwar auch funktioniert, aber manchmal war ich mit der Kiespumpe wesentlich tiefer als mit dem Arbeitsrohr und ich musste aufpassen, dass ich mit der Kiespumpe nicht unterhalb des Arbeitsrohres hängen bleibe.

Auf dem Weg nach unten habe ich zweimal eine Probe des Bohrgutes entnommen um die Kernkorngröße des Bodens zu bestimmen. Beide mal hat sich eine Kernkorngröße von ca. 3 mm ergeben, was deutlich größer ist als erwartet.

Unglücklicherweise bin ich beim Bohren auch zweimal auf einen größeren Stein gestoßen, den die Kiespumpe nicht aufnehmen konnte (bei 6m und 7m Tiefe). Nach mehreren Versuchen, bei denen ich absolut nichts mehr fördern konnte, lag der Verdacht schon sehr nahe, dass sich da unten ein größeres Hindernis befindet. Eine Endoskop-Kamera sollte Aufschluss bringen und obwohl sie mit IP68 angepriesen war, hat sie sich sofort mit Wasser gefüllt und ich konnte nichts erkennen. Also blieb mir nichts anderes über, als im Trüben zu fischen. Ich habe mir dann aus einem 75er Abflussrohr und einen Blumentopf einen Greifer gebaut und auf Anhieb einen sehr großen Stein gehoben (freu!). Danach ging das Bohren wieder problemlos weiter bis ich auf den nächsten größeren Gesteinsbrocken gestoßen bin, aber auch beim zweiten Mal funktionierte der Greifer tadellos und ich konnte den Stein beim ersten Versuch heben. Werde bei Gelegenheit auch davon eine kurze Bauanleitung in das Forum posten.

Kurz vor Schluss ist es dann doch noch passiert – plötzlich ist meine Kiespumpe am Grund des Brunnens hängen geblieben. Jegliche Versuche durch Rütteln und ziehen die Pumpe wieder zu befreien, blieben Erfolglos. Da der Verdacht war, dass die Pumpe unterhalb des Arbeitsrohres festhängt, konnte ich nur noch das Arbeitsrohr wieder etwas aus dem Boden ziehen. Mit einem Kettenzug ging das zum Glück problemlos, allerdings änderte das nichts an der Tatsache dass sich die Pumpe nicht mehr bewegen lässt. Somit stand ich wieder einmal ziemlich ratlos vor meinem Bohrloch ohne zu wissen was ich tun soll. Einfach mit Gewalt am Seil zu ziehen schien mir zu riskant, weil ich die Reißkraft des Seils nicht kannte. Es war zwar ein Stahlseil, allerdings nicht mehr das Originalseil der Seilwinde, weil dieses zu kurz war. Ich hatte das Seil bereits gegen ein längeres aus dem Baumarkt getauscht und obwohl ich darauf geachtet habe dass es den selben Querschnitt hat, habe ich erst zu Hause bemerkt, dass das neue Seil in der Mitte einen Kunststoffkern hat und somit mit Sicherheit nicht die gleiche Belastung aushält wie das original Seil.
Um kein Risiko einzugehen, habe ich somit einen weiteren Versuch mit einer (neuen) Endoskop-Kamera gestartet. Diesmal habe ich die Kamera zusätzlich in einen Plastikbeutel gesteckt und zur besseren Ausleuchtung ein 100 W LED-Scheinwerfer mit nach Unten geschickt. Die Bilder waren hervorragend, allerdings habe ich meine Pumpe nicht mehr gefunden, weil sie durch das Anheben des Arbeitsrohres nun zur Gänze verschüttet wurde. Es blieb mir somit nichts anderes über, als die Gewaltaktion zu starten und die Pumpe ohne Rücksicht auf Verluste durch Ziehen am Seil zu befreien. Glücklicherweise hat das Seil standgehalten und ich konnte die Pumpe unbeschädigt bergen.

Danach ging das Pumpen mit einer etwas größeren Auslast für das Arbeitsrohr weiter und so habe ich nun meine Wunschtiefe von 10 Meter erreicht!

Im Moment zweifle ich aber noch daran ob die Tiefe wirklich genug ist. Ich liege mit dem Filterrohr nur 1,5 Meter unterhalb des Grundwasserspiegels und weiß nicht ob das Oberflächenwasser deutlich schlechter ist, als das Wasser aus tieferen Schichten. Auch bin ich mir nicht sicher ob ich die Filterrohre mit 0,3 mm Schlitzweite verwenden sollte - die Kernkorngrößen-Ermittlung des Bohrgutes würde eine deutlich größere Schlitzweite erforderlich machen, aber dieses Thema werde ich in einem anderen Beitrag an alle Forums-Mitglieder stellen.

Wenn ich weiß wie es weiter geht und ich mein Brunnenbau-Projekt beendet habe, werde ich diesen Artikel vervollständigen.

LG,
TommyLee
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