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Installation im Brunnenbau

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septillion
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Beitragvon septillion » Do 6. Sep 2018, 17:14

Hallo, ich wohne in Brodnica/Polen (früher Strasburg in Westpreußen, bis zum 1920 deutsch) und bin an deutsch-preußische Geschichte meiner Stadt sehr interessiert.
Es gab in meiner Stadt auf dem Markt nachweislich im Jahre 1898 zwei Handwasserpumpen und noch „ein langes Ding“.
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Im Jahre um 1910 wurde „das Ding“ gegen einen Springbrunnen ausgetauscht.
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In nächsten Jahren sind die Handwasserbrunnen auch demontiert, es ist nur der Springbrunnen geblieben.
Meine Frage:
wie heißt „das lange Ding“, wie heißt diese technische Vorrichtung, wofür ist sie?
Mit freundlichen Grüßen aus Polen und Vorab dankend
Stefan
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Plunschmeister
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Re: Historisches

Beitragvon Plunschmeister » Do 6. Sep 2018, 18:24

Hallo Stefan,
willkommen im Forum.
Leider erkennt man nicht sehr viel auf den Bildern. Vermutlich handelt es sich um ein Steigrohr von einem Artesischen - Brunnen. Wird der Springbrunnen durch artesiches Wasser gespeist?
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Gruß PM

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Re: Historisches

Beitragvon septillion » Do 6. Sep 2018, 22:26

Das weißt man leider nicht, der Springbrunnen wurde im Jahre 1939/1940 abgebaut. Aber wozu braucht man die Ösen am Ende der Steigrohr? Außerdem wäre es möglich zwei Handpumpen in einem Brunnen von einem Querschnitt 2,5 m einzurichten? (Brunnen-Ausgrabung im Jahre 1998) Und noch dazu einen artesischen Brunnen in einer Entfernung von der Außenwand der Schachtbrunnen von ca 1,25 m zu platzieren? Wozu denn, vielleicht eine Feuerwehreinrichtung?
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Re: Historisches

Beitragvon Plunschmeister » Fr 7. Sep 2018, 10:09

Moin,
welche Erkenntnisse hat denn die Brunnenausgrabung ergeben?

In dem Gebiet, Strasburg Briesen Graudenz, so haben meine Recherchen ergeben, war das Grundwasserniveau zur Anlage Artesischer Brunnen ausgezeichnet. Außerdem ist auf dem Marktplatz in Strasburg - von 2 Brunnen die Rede.
Vermutlich liege ich da mit meinen Spekulationen doch nicht so ganz falsch.
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Re: Historisches

Beitragvon septillion » Fr 7. Sep 2018, 13:07

Hallo,
vielen Dank für Ihre Antwort. Fortsetzung der Geschichte:
Die Ausgrabung wurde amateurmäßig durchgeführt, die Leute haben aufgrund des Schildes aus der preußischen Zeiten (Entfernungsangabe) gegraben und Brunnenschacht (Querschnitt 2,5 m) entdeckt.
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Der Schacht wurde aufgebaut und das Ganze sieht heute so aus:
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was übrigens viele Proteste als Geschichtsverfälschung bei Einwohner hervorgerufen hat (in Erinnerung der ältere Leute ist der Springbrunnen geblieben). Die Entscheidungsträger hatten keine Deutschkenntnisse, keiner hat sich tiefgehende Gedanken gemacht. Hauptsache ein Brunnen für Touristen.
Zur Verfügung stehen mir Ansichtskarten, die oft uneindeutig datiert sind (die älteste aus dem Jahre um 1863) und die Angaben der Historikern, die auch widersprüchlich sind. Der städtische Wasserversorgungsbetrieb hat nur polnische Dokumentation die nach dem Jahre 1960 entstanden ist. Über Brunnen auf dem Marktplatz schreibt man schlampig mal in Singular mal in Plural. In dem Verwirr versuche ich den logischen Pfad zu finden in Verbindung mit anderen historischen städtischen Vorkommnissen. Ihre These ist meine Meinung nach Goldrichtig, es fehlt nur noch Argumentation bzw. Vergleichsmaterial.
Meine Fragen (falls nicht zu viel):
aus welchem Jahr stammt Ihre Information über 2 Brunnen auf dem Markplatz in Strasburg Wstpr.? (Quelle?)
Sind zwei Pumpen in einem großem Schacht möglich? Gibt es Beispiele dazu?
Wo fließt das Wasser aus der Springbrunnen hin? Wäre es möglich das ein Abwassersystem um ca 5 Jahre früher als Wasserversorgungsnetz gebaut wurde?
Und noch ein Foto aus dem Jahre ca 1863 auf dem man zwei „Klötze“ sieht.
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Sind das vielleicht zwei getrennte Brunen mit den Holzrohren, die zusätzlich von oben mit den „Klötzen“ in Grund gepresst werden (man erkennt nicht, ob das Pumpenbrunnen oder artesische Brunnen sind). Wie hier:
https://www.e-rara.ch/zut/content/pageview/3378856
Scheinbar stehen sie da, wo später die Schachtpumpen installiert worden sind.
Liebe Grüße, dankend
Stefan
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Re: Historisches

Beitragvon Plunschmeister » Fr 7. Sep 2018, 17:34

Moin Stefan,
findet man doch alles im Netz, ca. 1884
Geschichte des Kreises Strasburg

2) Vgl. Zermann, Chronik der Stadt Strasburg S. 103 H. ... Die handschriftlichen Quellen einer westpreussischen Kreisgeschichte sind ungemein verstreut. Es wäre ...... Eine Stadt- willkür von 1622 erwähnt ferner 2 Brunnen auf dem Markte.

Zwei Hand - Pumpen an einem Brunnen sind möglich.
Wo fließt das Wasser aus der Springbrunnen hin? Wäre es möglich das ein Abwassersystem um ca 5 Jahre früher als Wasserversorgungsnetz gebaut wurde?

Das Wasser wird wieder in eine wasserabführende Schicht zurückgleitet.
Die Errichtung Artesischer Brunnen ist kompliziert, auch gibt es verschiedene Methoden.

Denkbar im Fall in Strasburg wäre, dass ein Artesischer Brunnen gebohrt wurde. Der Artesische Grundwasserleiter aber nicht genügend Kraft hatte, das Wasser ganz über Erdniveau zu drücken.
Dann behalf man sich zu damaliger Zeit damit, dass unmittelbar neben dem Artesischen Brunnen ein größerer Schachtbrunnen von durchschnittlicher Tiefe errichtet wurde.
Das Steigrohr des Arteser wurde gekappt und das Wasser in den Schachtbrunnen geleitet. Oft wurden die Schachtbrunnen in großer lichten Weite gebaut. In diesen Brunnen befand sich in früher Zeit ein Wasserrad (oberschlägig) auf der Brunnensohle - auf diesem wurde das Wasser des Artesers geleitet. Das Wasserrad hat ein Druckwerk angetrieben.
Über Holzröhren wurde das Wasser so zu Tage gefördert und man erhielt einen Springbrunnen. Später konnten Schachtpumpen diese Aufgabe übernehmen.

Bei der Brunnenfreilegung hätte man darauf achten müssen, wie der Brunnen aufgebaut war. Kam ein Wasserrad zum Einsatz, wurde der Brunnen oben als Gewölbe gemauert.
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Re: Historisches

Beitragvon septillion » Sa 8. Sep 2018, 09:11

Hallo,
Sie haben wieder ganze Arbeit geleistet, danke!
Die Bücher, die Sie erwähnt hatten, liegen bei mir auf dem Tisch. Im Falle der 2 Brunnen auf dem Markt (Ihre Zitate) handelt sich um Städtchen Gollub, das zum Stadtkreis damals gehörte und nicht um Strasburg.
Es gibt noch eine Zeichnung aus den Zeiten vor dem 1828, wo ein Objekt wie ein artesischer Brunnen aussieht, nicht wahr?
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Es bleib zwar strenggenommen bei Hypothesen, aber Sie haben mein Wissen erweitert und Hypothesen mit seinem Wissen untermauert. Ich bedanke mich dafür bei Ihnen.
Für jede neue Idee, bzw. Vergleichsmaterial, wäre ich jederzeit dankbar.
Gruß aus Strasburg
Stefan

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Re: Historisches

Beitragvon septillion » Sa 8. Sep 2018, 11:50

Sie schreiben:
„Das Steigrohr des Arteser wurde gekappt und das Wasser in den Schachtbrunnen geleitet. Oft wurden die Schachtbrunnen in großer lichten Weite gebaut. In diesen Brunnen befand sich in früher Zeit ein Wasserrad (oberschlägig) auf der Brunnensohle - auf diesem wurde das Wasser des Artesers geleitet. Das Wasserrad hat ein Druckwerk angetrieben.
Über Holzröhren wurde das Wasser so zu Tage gefördert und man erhielt einen Springbrunnen. Später konnten Schachtpumpen diese Aufgabe übernehmen“.
Könnten Sie bitte, falls vorhanden, eine technische / handliche Zeichnung (oder ein Link zu) solcher oder ähnlicher Situation beifügen? Ich danke Ihnen im Voraus.
Stefan
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Re: Historisches

Beitragvon Plunschmeister » Sa 8. Sep 2018, 17:30

Moin Stefan,
wir benutzen hier im Forum die "Du" - Form als Anrede ;) .
Um auf deine Frage zurückzukommen, das kann man in diesem Buch nachlesen:
Das technische Verfahren bei Bohrung artesischer Brunnen- Brunnenbohrkunst :lol: in Frankreich; Hamilcar Paulucci; Wien 1838; ab Seite 76.

Das technische Verfahren bei Bohrung artesischer Brunnen

Die Tafeln wurden nun leider nicht kopiert, aber ich hoffe, dass ich trotzdem helfen konnte.
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Gruß PM

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Re: Historisches

Beitragvon septillion » Sa 8. Sep 2018, 17:52

Hallo,
ich danke Dir, Dein Wissen hat mir weitergeholfen.
Ausländer bevorzugen Sie-Form nicht unbedingt aus Höflichkeit, sonst kann schnell zu aussagen wie „du machen“ kommen :)
Ich grüße Dich und nochmals danke Dir (tja, die Satzreihe ist auch so ein Ding)
Stefan

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