Was ist von diesem Angebot für eine neue Brunnenbohrung zu halten?

Grundwasseranfang in jeder Tiefe möglich

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Landmensch
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Was ist von diesem Angebot für eine neue Brunnenbohrung zu halten?

Beitrag von Landmensch » Do 15. Okt 2020, 23:35

Liebe Gemeinde,

ich kommen aus Langenhagen OT, bei uns gibt es leider keinen Stadtwasseranschluss, wir sind hier alle auf unser Brunnenwasser angewiesen und filtern diese zu Brauchwasser.
Mein aktueller Schachtbrunnen ist nur etwa 3,5m tief und hat kürzlich auch Probleme gemacht. Unterirdische PE Leitung vom Brunnen ist verstopft und Filter im Brunnen war dicht.
Nun hat mein Klempner provisorisch eine überirdisches Rohr vom Brunnen bis zur Wasserreinigungsanlage im Keller gelegt und den Filter im Brunnen ausgetauscht damit wir erst einmal überhaupt
wieder Wasser aus den Brunnen saugen können.
Natürlich kann das keine Dauerlösung sein, wenn der Winter kommt friert die Leitung ein und wir bekommen kein Wasser mehr. Also habe ich mir überlegt einen neunen vernünftigen Tiefbrunnen bohren zu lassen:

Ein Brunnenbaumeister hat mir folgendes Angebot gemacht:

2" Brunnen bis 10m Tiefe, inklusive 1,0m Filter, Filterkiesschüttung aus Quarzfilterkies Körnung 1 – 2 mm,
Brunnenkopf und Saugrohr mit Federventil 1"

Der Brunnen soll angeblich bis 5m3/h Wasser liefern was natürlich ausreichend wäre, aber erreiche ich das tatsächlich mit einem 2" Brunnen oder ist dieser etwas unterdimensioniert, auch stelle ich mir die Frage
ob bei diesem Durchmesser nicht der Filter zu schnell zusetzt?

Der Brunnenbaumeister kennt hier die Gegebenheiten sagte er und mit einem 5" Brunnen könnte ich das ganze Dorf versorgen.

Leider fehlt mir hier das Fachwissen, jeder erzählt mir etwas anderes, was sagt ihr dazu?

Vielen Dank

Viele Grüße
Andy
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Plunschmeister
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Re: Was ist von diesem Angebot für eine neue Brunnenbohrung zu halten?

Beitrag von Plunschmeister » Fr 16. Okt 2020, 09:38

Moin Andy und willkommen bei uns.

Die Tendenz sollte in Richtung Tief-Bohrbrunnen gehen, in welchem man auch u.U. eine TBP einsetzen kann. Die Grundwasserstände werden zukünftig eher fallen und dann sitzt du mit einem Bohrbrunnen in 2" auf dem Trockenen.
„Das Wasser ist die Kohle der Zukunft" Jules Verne (1870)
* 2712193509122015*
Gruß PM

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Landmensch
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Re: Was ist von diesem Angebot für eine neue Brunnenbohrung zu halten?

Beitrag von Landmensch » Fr 16. Okt 2020, 14:01

Hallo PM,

vielen Dank für deine Antwort, aber gedacht hatte ich mir das schon.

Nun habe ich etwas Zugzwang was eine Neubohrung angeht, sind hier im Forum evtl. Brunnenbauer unterwegs die in in meinem Bereich PLZ 30855 bohren?

LG Andy
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Eriberto
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Re: Was ist von diesem Angebot für eine neue Brunnenbohrung zu halten?

Beitrag von Eriberto » Fr 16. Okt 2020, 14:39

Hallo Andy,

1. für jeden Niedersachsen sollte der NIBIS Kartenserver die erste Anlaufstelle sein (Themenkarte HYDROGEOLOGIE -> ENTNAHMEBEDINGUNGEN IN DEN GRUNDWASSER...). Dann weißt du schon mal, wie es grundsätzlich aussieht.
2. was das Angebot des Brunnenbauers angeht: wie kommt der Anbietende darauf, dass 1m Filter in 2 Zoll bis zu 5 m³/Stunde liefern können soll???
Die Entnahmeleistung für diesen Filter beziffert eine seriöse Bezugsquelle mit 0,9 m³/Stunde/pro Meter. Das lässt mich grundsätzlich an besagtem Anbietenden zweifeln!
3. Wie PM schon sagte, würde ich - so denn die Bedingungen laut NIBIS bei dir passen - ebenfalls zu einem 'richtigen' Brunnen in 4 1/2 Zoll verrohrt mit 4 Zoll Tiefbrunnenpumpe tendieren. Dann 2-3 Meter Filterstrecke und man hat für die Zukunft Ruhe.

Gruß
Florian

P.S.: kenne keinen Brunnenbauer in der Region, selber machen macht aber auch Spass!

Bronko Kachelhuber
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Re: Was ist von diesem Angebot für eine neue Brunnenbohrung zu halten?

Beitrag von Bronko Kachelhuber » Fr 16. Okt 2020, 18:44

Um jetzt nicht unter Zeitmangel schlechte Angebote annehmen zu müssen, könnte man versuchen, das funktionierende Provisorium durch den Winter zu kriegen. Das verschafft Zeit um anständige Angebote einzuholen oder sich mit dem Selbermachen auseinander zu setzen. Wie weit ist denn die Strecke vom Brunnen bis zur Reinigungsanlage?
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Thoralf
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Re: Was ist von diesem Angebot für eine neue Brunnenbohrung zu halten?

Beitrag von Thoralf » So 18. Okt 2020, 22:22

Landmensch hat geschrieben:
Do 15. Okt 2020, 23:35
Mein aktueller Schachtbrunnen ist nur etwa 3,5m tief und hat kürzlich auch Probleme gemacht. Unterirdische PE Leitung vom Brunnen ist verstopft und Filter im Brunnen war dicht.
Hi Andy,
das etwas an dem Angebot nicht stimmen kann, haben Dir schon andere geschrieben.

Wie sieht denn Dein Brunnen innen aus und was hast Du für einen Untergrund? "Filter dicht" könnte ja einfach Dreck im Brunnen sein (wie ist der nach oben gegen reinfallendes organisches Material gesichert?). Das solltest Du vor einem teuren Neubohren zuerst prüfen und ggf. als erstes den Brunnen säubern.

Bei uns haben einige Nachbarn ihre Schachtbrunnen mit dem Einbringen von Brunnenrohren vertieft. Ich habe das dann auch so gemacht. Schau mal in meine Story: viewtopic.php?f=63&t=2075#p17699 - vielleicht kommt sowas auch bei Dir in Betracht?

Das hängt aber vom Brunnen und vom Untergrund (und den Schichten unter der Brunnensohle) ab. Und wie ich hier im Forum gelernt habe muss man sich vorher auch über die Standsicherheit des Brunnens Gedanken machen.

LG
Thoralf
Der Elektroingenieur in mir meint: "Wasser braucht Strom" 8-)
Meine Projekte gibt es auch in meinem Blog:
https://blende-acht.blogspot.com/search/label/Brunnen
https://blende-acht.blogspot.com/search/label/Pumpe
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Thoralf
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Re: Was ist von diesem Angebot für eine neue Brunnenbohrung zu halten?

Beitrag von Thoralf » Di 20. Okt 2020, 00:55

Thoralf hat geschrieben:
So 18. Okt 2020, 22:22
Das hängt aber vom Brunnen und vom Untergrund (und den Schichten unter der Brunnensohle) ab. Und wie ich hier im Forum gelernt habe muss man sich vorher auch über die Standsicherheit des Brunnens Gedanken machen.
Das Thema der Standsicherheit habe ich mal hier: viewtopic.php?f=9&t=2078 zur Diskussion gestellt.
Der Elektroingenieur in mir meint: "Wasser braucht Strom" 8-)
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Landmensch
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Re: Was ist von diesem Angebot für eine neue Brunnenbohrung zu halten?

Beitrag von Landmensch » Mi 21. Okt 2020, 16:20

@Hallo Florian,
vielen Dank für diese hilfreichen Infos.
Habe mir gleich mal den NIBIS Kartenserver / Themenkarte HYDROGEOLOGIE -> ENTNAHMEBEDINGUNGEN GRUNDWASSER, die Hydrologischen Bohrungen und die Bodeneigenschaften auf meinem Grundstück angesehen.
Wirklich sehr interessant, kannte ich bisher noch nicht. Auch interessant ist das auf meinem Grundstück bereits 2 Tiefbrunnen existierten welche aber bereits geschlossen wurden.
Habe mal im Dorf nachgefragt ob etwas darüber bekannt ist, man sagte mir das die beiden Tiefbrunnen viel zu tief gebohrt wurden und in den unteren Schichten der Eisen+Mangangehalt so extrem hoch ist das man
es nur schwer in den Griff bekommt. Viele hatten offensichtlich das Problem mit zu tief gebohrten Brunnen. Angeraten hat man mir max. bis 10m zu bohren eher weniger wenn man vernünftiges Wasser möchte.

Ich sehe schon das mit dem Angebot des Brunnenbauers etwas nicht stimmen kann. Bei der Tiefe kann er allerdings richtig liegen.

@Hallo Bronko Kachelhuber,
die Strecke vom Brunnen bis zum Keller beträgt etwa 30m, wenn ich kein vernünftiges Angebot bekomme werde ich auf jeden Fall versuchen das PE Rohr frei zu bekommen und so den Brunnen erstmal über den Winter zu bekommen.
Sollte das nicht funktionieren muss ich vielleicht in Erwägung ziehen ein neues PE Rohr verlegen zu lassen.

@ Hallo Thoralf,
mein Klempner hat ja den Brunnen bereits komplett ausgesaugt und einen neuen Filter montiert. Das Wasser ist jetzt auf jeden Fall viel besser als vorher. Nur die Angebote einer Brunnensanierung sind so wie es aussieht teurer als eine
Neubohrung. Sanierung würde bedeuten, vernünftiger Brunnendeckel, innen Abdichten, versiegelt usw.

Ich tendiere eher zu einer Neubohrung 4 1/2 Zoll verrohrt mit 4 Zoll Tiefbrunnenpumpe, 2-3 Meter Filterstrecke und Revisionsschacht/DOM Schacht mit Deckel damit in Zukunft Ruhe ist.

Habe bisher nur einen Brunnenbauer gefunden der nur eine Vorlaufzeit von 2 Wochen hat: http://www.brunnen-koenig.de/
Kann jemand etwas dazu sagen?

Viele Grüße
Andy

Toenne
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Re: Was ist von diesem Angebot für eine neue Brunnenbohrung zu halten?

Beitrag von Toenne » Mi 21. Okt 2020, 16:31

Mal blöd gefragt: Hat der Klempner vor dem Filtertausch das Rohr denn mal gegengespült? Ist etwas schwierig ohne Stadtwasseranschluss, schon klar. Aber vielleicht sammelst du ja irgendwo Regenwasser dass du dafür hernehmen kannst?
Oder die örtliche FFW hat Lust auf eine kleine Übung...?
Um über den Winter zu kommen könnte das ja schon reichen, und im Frühjahr könnte man überlegen im Brunnenschacht ein zusätzliches Brunnenrohr einzubringen statt an anderer Stelle komplett neu zu bohren.
.

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Landmensch
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Re: Was ist von diesem Angebot für eine neue Brunnenbohrung zu halten?

Beitrag von Landmensch » Mi 21. Okt 2020, 16:55

Hallo Toenne,

nein der Klempner hat das PE Rohr leider überhaupt nicht gegengespült, er meinte das er dazu nicht das richtige Werkzeug hätte. Aber vielleicht hat auch einfach keine Lust dazu gehabt.
Ich hatte das gefühlt der er damit maßlos überfordert war, die Verstopfung hat er erst am späteren Nachmittag entdeckt, er war immerhin bereits ab 8Uhr auf dem Gelände.

Gruß
Andy
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