Technische Frage zum Thema Ansaughöhe

Einsatz bei einem Grundwasseranfang bis zu 6m ab GOK (Geländeoberkante) möglich,
Kreiselpumpen selbstansaugend: HWW, HWA
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JoKoHa89
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Technische Frage zum Thema Ansaughöhe

Beitrag von JoKoHa89 » So 13. Jun 2021, 12:55

Liebe Foren-Gemeinde,

leider bin ich absoluter Laie und habe das Gefühl meine Recherche dreht sich im Kreis. Ich hole deshalb erst ein bisschen aus.

Im Herbst 2019 habe ich mir einen Brunnen bohren lassen. Hier bin ich völlig unbedarft an die Sache herangegangen und habe auf Grund einer Empfehlung einen Brunnenbohrer bestellt. Dieser hat dann mit zwei Helfern und einer Dreibein-Konstruktion den Brunnen gebohrt und mir folgende Daten hinterlassen:
Brunnen Tiefe: 7,50 Meter
Wasserstand: 2,8 Meter
1 Liter / 1 Sekunden
Verwendet wurde wohl ein DN100 Rohr. Ich messe jedenfalls einen Innendurchmesser von 10 cm.

Auf Grund der örtlichen Gegebenheiten wurde der Bohrpunkt mit dem geringst möglichen Abstand zum nächsten Bauwerk gewählt. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Bild

Unter der blauen Linie läuft ein KG-Rohr zum bzw. in den Schuppen. Mein Wunsch ist eine "mobile" Pumpe im Schuppen aufzustellen, welche im Winter aus Frostschutzgründen abgebaut werden kann. Und hier gelange ich an mein technisches Problem:

Bei den technischen Angaben wird als Ansaughöhe in der Regel maximal 7 - 7,5 Meter angegeben. Nach meinem Verständnis müsste ich eine "mobile" Pumpe dann ja aber direkt über dem Brunnenschacht aufstellen - das möchte ich aber nicht. Rechne ich den Weg zum gewünschten Aufstellort hinzu ergeben sich knapp 10 Meter und eine solche Kreiselpumpe konnte ich bisher nicht finden, sondern lande dann immer bei einer Tiefbrunnenpumpe.

Gleichzeitig finde ich dann hier aber auch andere Foreneinträge, wie z.B. "Fragen zur Pumpe" vom 21.08.2020 (viewtopic.php?f=15&t=2113), welcher mit meiner Situation vergleichbar scheint.

Kann ich grundsätzlich also doch eine Pumpe im Schuppen aufstellen?

Vielen Dank für Eure Hinweise und entschuldigt bitte, falls ich hier schon mehr herausfinden hätte sollen.

Beste Grüße
Joachim

PeterB
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Re: Technische Frage zum Thema Ansaughöhe

Beitrag von PeterB » So 13. Jun 2021, 13:38

JoKoHa89 hat geschrieben:
So 13. Jun 2021, 12:55
Brunnen Tiefe: 7,50 Meter
Wasserstand: 2,8 Meter
Wie tief der Brunnen ist, ist egal. Entscheidend ist der Wasserstand. Auch wenn der Ansaugkorb bei zB 6m liegensollte, für die Ermittlung der Ansaughöhe ist immer der Wasserstand maßgebend

Gruß
Peter
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Thoralf
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Re: Technische Frage zum Thema Ansaughöhe

Beitrag von Thoralf » Mo 14. Jun 2021, 00:39

N'abend JoKoHa89,

wie PeterB schon schrieb: entscheiden ist die Tiefe bis zum Wasserspiegel, genauer: bis zu dem der sich beim Pumpbetrieb ergibt. 2,80 m ist problemlos.

Die horizontale Entfernung spielt theoretisch keine Rolle - praktisch aber doch. Aber nicht in dem Sinn, dass Du noch die 2,40 m hinzu addieren musst. Du hast einen Fließdruck, der je Meter Rohrleitung hinzukomt (Schau mal in den Druckverlust-Rechner). Ich würde mindestens 1¼" empfehlen. Und Du musst dafür sorgen, dass Du Richtung Brunnen überall ein leichtes Gefälle hast. Auf keinen Fall darf sich eine Luftblase in der Saugleitung bilden.

Ich würde Dir empfehlen:
- mehrstufige selbstsaugende Kreiselpumpe
- Membranausdehnungsgefäß
- Druckschalter (kein Presscontrol, sondern mit Ein- und Ausschalt-Druck)
- Manometer

Wenn Du als Saugleitung PE-Rohr verlegst, dann achte darauf, für Saugleitungen geeignete Verschraubungen zu nehmen (Messing, mit Stützhülse).

Wie ist das mit dem KG-Rohr zu verstehen? Geht das direkt bis auf das Brunnenrohr? Ist da ein 90-Grad-Bogen oder 2 x 45 Grad?
Wolltest Du da evtl ein Saugschlauch mit Fußventil durchschieben? (auch das ist m.E. einfacher, wenn man an die Stelle ran kommt)
Wie erfolgt die Abdichtung (damit kein kleines Viehzeug in den Brunnen fällt und dort vergammelt)?

Vielleicht legst Du über dem Brunnen eine Brunnenstube an, einen kleinen Schacht. Da lässt sich besser arbeiten. Und einen ordentlichen Brunnenkopf, der alles dicht abschließt.

LG und HTH
Thoralf
Der Elektroingenieur in mir meint: "Wasser braucht Strom" 8-)
Meine Projekte gibt es auch in meinem Blog:
https://blende-acht.blogspot.com/search/label/Brunnen
https://blende-acht.blogspot.com/search/label/Pumpe

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JoKoHa89
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Re: Technische Frage zum Thema Ansaughöhe

Beitrag von JoKoHa89 » Do 17. Jun 2021, 18:45

Herzlichen Dank für Eure produktiven Beiträge! :)

Wenn ich es richtig verstehe, kommt es also in meinem Fall auf die Differenz zwischen Erdoberfläche und Wasserstand an. Somit ergibt sich ein Wert von 4,7 Metern; wie tief mein Ansaugschlauch dann noch im Wasser hängt ist unerheblich.
Die zu überwindende Distanz bis zum Schuppen ist "relativ" vernachlässigbar.

Das KG-Rohr geht zunächst Senkrecht in den Boden (unter dem blauen Punkt). Hier kann ich das Rohr theoretisch öffnen um ggf. Reinigungsarbeiten vorzunehmen oder meiner Saugleitung nachzuhelfen falls diese sich verkantet.
Unterhalb der Erdoberfläche ist eine Abzweigung mit 45 Grad. Diese ist mit zwei Bögen (jeweils 15 Grad) verbunden. Das KG-Rohr hat zum Schuppen hin dann über die 2,4 Meter also ein Gefälle von ebenfalls 15 Grad; mit weiteren Bögen (wieder jeweils 15 Grad) geht es dann in den Schuppen und sieht folgendermaßen aus:

Bild


Auf dem Rohr liegt dann noch der Platten-Ausschnitt. Bisher ist der Brunnen ja ungenutzt.

Die vorgeschlagenen Arbeitsmittel sehen für mich dann ja doch recht professionell aus. Ist das für mich als Laien überhaupt umsetzbar? Oder brauche ich da Hilfe vom Sanitärinstallateur?
Ich frage mich auch, ob das im Winter - wegen Frost - funktioniert und so stehen bleiben kann?
Theoretisch wäre es eine Möglichkeit die 2,4 Meter zu verdoppeln - dann wäre ich in meiner Garage.

Jetzt plane ich dann wohl am besten erst meine Gartenbewässerung um dann die Pumpe richtig zu dimensionieren.

Vielen Dank nochmal!

Beste Grüße

Joachim
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Thoralf
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Re: Technische Frage zum Thema Ansaughöhe

Beitrag von Thoralf » Fr 18. Jun 2021, 11:50

Moin Joachim,

das "unbedarft" im ersten Beitrag ist dann wohl ganz richtig geschrieben. ;) Denn Deiner Beschreibung nach hat man Dir anscheinend für den Brunnen ein Gottseibeiuns KG-Rohr als Brunnenrohr verbaut, statt eines den Regeln entsprechenden blauen Brunnenrohres. Zum Brunnen selbst wirst Du hier wohl nicht viel Unterstützung erwarten können, wenn es damit mal Probleme gibt. Aber wenn das Kind nun schon in den Brunnen gefallen ist... (ähm, eine sehr brutale Metapher :shock: )

Also zur Pumpe und dem Schlauch: Ja, mit den Bögen sollte es passen, so bin ich auch unter dem Kellermauerwerk vom Haus aus in meinen Schachtbrunnen gegangen. Saugschlauch im KG-Rohr. Ich habe 1¼"-Spiralschlauch (Außen-Ø 37 mm) und unten ein Fußventil + Saugkorb. Es könnte nur sein, dass es genau an der Einführung mit 45° nach unten etwas eng wird, auch beim späteren zurückziehen. Kannst Du Dir vielleciht vorher mal im Baumarkt anschauen, nimm mal einen solchen 45°-Rohrabzweig und schau mal, ob das Fußventil durchpasst bzw.: ob es um die Ecke kommt - den Saugkorb kannst Du im bohrbrunnen eigentlich auch weglassen, das spart Länge. Im Schachtbrunnen habe ich so ein Problem nicht - da kann der Schlauch im freien Bogen aus dem Rohr rauskommen.

Apropos Fußventil: ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich hatte schonmal eine Edelstahl-Schlauchschelle mit einer rostenden Schraube. Irgendwann musste ich im Brunnen nach dem Fußventil tauchen. :D Also auf das Material achten. Der elektrolytisch verzinkten Schraube hatte ich das beim Kauf nicht angesehen.

Du kannst erst mal im Schuppen anfangen und später die Leitung verlängern oder Du kaufst gleich den längeren Schlauch - dann auch diesen so verlegen, dass es bis zur Pumpe stetig leicht aufwärts geht - und probierst, ob und wie die Pumpe damit klarkommt.

Und zur Installation (wenn Du das mit "vorgeschlagene Arbeitsmittel" meinst): sooo kompliziert ist das dann auch wieder nicht. Wenn es Fehlschläge geben sollte (vor allem Dichtheit saugseitig) dann lernt man draus.

LG und Ran an die Rohrzange!
Thoralf
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