Der richtige Erdbohrer zum Brunnenbau

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Plunschmeister
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Der richtige Erdbohrer zum Brunnenbau

Beitragvon Plunschmeister » Do 12. Sep 2013, 22:23

Der Hobby Brunnenbauer sollte genaue Kenntnis davon haben, wie und wann er welchen Bohrer einsetzten kann und welche Bodenschichten er damit zu durchdringen vermag.
Es werden viele Bohrer angeboten, doch welcher ist für meine Zwecke der Richtige?

Bei der Erstellung einer Brunnenbohrung können wir auf Sand, Grobsand, feuchten Lehm oder Ton oder aber auf harten Lehm/Ton treffen, im schlimmsten Fall auf Festgestein. Ein Bohrer, der gerade noch recht zügig im Grobsand versenkt werden konnte, streikt beim Erreichen einer feuchten Lehm oder Tonschicht.
Warum ist das so?
Der Einsatz des Bohrers ist natürlich abhängig von der Bodenart, in die man bohren muss.

Die Reibung eines Bohrers für Grobsand ist bei einem Bohreinsatz im feuchten Lehm viel zu groß, man bekommt diesen nicht mehr gedreht, geschweige denn herausgezogen. Der Bohrer streikt im feuchten Lehm, weil die Schneide für anhaftendes ( kohäsives) Bodenmaterial viel zu breit ist und die Bohrschnecke die so gut aussah viel zu viel Reibung und damit Widerstand erzeugt. Der Bohrer bleibt einfach da Unten kleben, oder lässt sich gar nicht erst in den feuchten Lehm herein drehen. Hier ändert auch ein gebohrtes "Loch" in den Bohrer nicht viel. Denn dieser Kohäsionskraft kann auch Luft nichts anhaben. Kann man nur mit Winden oder großer Kraftanstrengung dieser Kohäsionskraft begegnen?

Nein

Die Lösung ist aber ganz einfach, bei kohäsivem Bodenmaterial (feuchtem Lehm / Ton) muss die Schneide klein und löffel-artig sein, eine Bohrschnecke ist nicht zwingend erforderlich, denn die lehmige Pampe bleibt doch ganz von alleine an dem Bohrer kleben. Also so wenig Reibung wie möglich mit meinem Bohrwerkzeug erzeugen. Hier sollten Bohrer mit vertikaler Schneide eingesetzt werden.
Sand und Grobsand sind dagegen wenig kohäsiv( kleben nicht) oder gar nicht. Die Schneide muss folglich breiter sein ( beim vertikalen Bohrer). Beim horizontalen Bohrer sollte der Schneide eine Bohrschnecke folgen, diese wird als Tragfläche benutzt, um das Bohrgut festzuhalten und zu fördern, denn der Sand oder Grobsand würde weil er nicht klebt sonst einfach runter rieseln.



Das wichtigste am Bohrer ist also die Haupt-schneide, diese sollte sich jeder genau ansehen, denn sie verrichtet die eigentliche Arbeit und sorgt für eine perfekte Bohrung. Die Schnecke oder auch Wendel genannt dient nur zur Förderung des Bohrgutes. Wir unterscheiden hier, wie bereits oben erwähnt zwischen zwei Bohrertypen, Bohrer mit horizontaler und vertikaler Schneide.
In der Regel werden Bohrer mit horizontaler Schneide benutzt. Der Schneide folgt vom Aufbau her ein Wendel ( Schnecke). Doch diese Schnecke erschwert die Arbeit in feuchtem Lehm/Ton. Sie saugt sich so fest, so das nur mit großem Kraftaufwand der Bohrer wieder geborgen werden kann.
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Bohrer für leichte Böden: Sand, Lehm, Ton. Horizontale Schneide und Wendel mit seitlicher Aufkantung ( Lehm/Ton). Der Bohrer nimmt Steine auf, in der Größe der Bohrschneckensteigung.


Leichtes und schnelle Bohrfortschritte in Sand / Kies, fördern von Steinen. Für Lehm/ Ton nicht geeignet:
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Bohrschnecke, Bohrer, Zusammen gesteckt.
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Bohrgestänge bleibt im Bohrloch, nur die kleine Bohrschnecke wird hochgezogen.

Der Bohrer hat zwei horizontale Schneiden, die Förderschnecke wird einfach an einem Seil lose durch das Bohrgestänge geführt herunter gelassen und liegt dann unten lose auf der Querschneide auf. In der Bohrschnecke befindet sich ein Innenvierkant, dieses kann sich am Bohrgestänge nicht verdrehen und dient als Mitnehmer. Man bohrt wie gewohnt. Zum Fördern des Bohrgutes wird wiederum nur die Förderschnecke hochgezogen. Das Bohrgestänge verbleibt im Bohrloch. Man hat kein lästiges rum-hantieren mit 6m oder 8m langen Bohrgestängen.



Leichtes bohren in feuchten Lehm/ Ton, Bohrer mit vertikalen Schneiden: ***( Bauanleitung in unserem Brunnenpedia)***
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Edelmann-Bohrer ( Lehm/Ton),

Die typische Form des Edelman-Bohrers sorgt für ein Minimum an Reibung beim Eindrehen und Herausziehen des Bohrers: Das bedeutet geringere körperliche Anstrengung. Es gibt vier Typen und zwar Ton, Sand und Grobsand sowie einen Kombinationstyp.
Die vertikale Schneide für weichen feuchten Lehm Ton ( siehe Abb. links) ist ca. 5cm breit. Der ausgeschnittene Lehm- / Tonklumpen wird einfach aus geschält und bleibt zwischen den vertikalen Schneiden backen. Ursprünglich wurde dieser Bohrertyp mit kleinem Durchmesser in der Geologie für Probebohrungen eingesetzt.


Leichtes Bohren in Sand/ Grobsand:
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Edelannbohrer: Sand/grober Sand
Für den Einsatz in sehr nichtbindigem, trockenen, sandigen Böden konzipiert. Das Bohrgut hält sich aufgrund der breiten Schneiden im Bohrer.


Riverside-Bohrer für harte Bodenarten: ( Bauanleitung in unserem Brunnenpedia)***


Für harte, verkrustete Böden und Böden, die mit feinem Kies vermischt sind.
Es ist ratsam, Bohrstangen aus stabilen Vierkantrohr mit geringem Eigengewicht zu verwenden, welches das Bohren in größeren Tiefen extrem erleichtert. Für dieses Bohrgestänge kann man sich nun verschiedene " Bohraufsätze" anfertigen.


Beitrag: PM 9-2013 :. Bildquellen Privat
„Das Wasser ist die Kohle der Zukunft" Jules Verne (1870)
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Gruß PM

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